Experimentelles Wohnprojekt KASBAH
KASBAH ist der Titel eines trinationalen, studentisch experimentellen Wohnprojektes, initiiert durch Prof. Jakob Gebert, Studienschwerpunkt Möbeldesign + Ausstellungsarchitektur an der Kunsthochschule Kassel und seinem finnischen Kollegen Jaakob Solla, Architekt und Dozent an der University of Art and Design, Helsinki.
Dämmung: isofloc - insgesamt 14 m³ in der Erdgeschossdecke und im Dach.
Juni 2007
Im Sommer 2006 veranstalteten die Professoren dreitägige Workshops, bei dem Studierende der Kunsthochschule Kassel und der University of Art and Design, ausgehend von einem 6m x 6m x 6m großen Würfel, räumlich experimentelle Wohnansätze entwickelten.
Die herausragenden Ergebnisse und das hohe Engagement der Teilnehmer gaben Anlass dazu, das als Workshop begonnene Projekt weiter zu vertiefen und eine Auswahl der Entwürfe parallel zur documenta 12 als Gästehäuser auf dem Gelände der Kunsthochschule zu realisieren.
Zu Beginn des Sommersemesters 2006 folgte zusammen mit Prof. Fréderic Dedelley und André Haarscheidt ein weiterer Workshop an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel.
Mittlerweile wurden insgesamt 5 Entwürfe für eine Realisierung ausgewählt. Zwei basler, ein finnischer und zwei kassler Beiträge sollen ab 16.06.2007 von den beteiligten Studierenden umgesetzt werden und bis zum 23.09.2007 den Gästen und Förderern der Kunsthochschule als einfache Unterkunft dienen.
Um die Finanzierung ihrer Projekte kümmern sich die jeweiligen Hochschulen selbst. Der Ausbaustandard der Gästehäuser richtet sich dabei nach den bis zur Realisierung akquirierten Mitteln. Erstes Ziel ist die Errichtung der regendichten Rohbauten in Holz, welche die Studierenden sogar selbst mit aufbauen wollen. Diese bewohnbaren räumlichen Skulpturen bieten Gästen, die mit dem eigenen Schlafsack anreisen auf jeden Fall ein Dach über dem Kopf.
Unterstützung erhalten die Studierenden auch von Carmen Luippold, künstlerische Mitarbeiterin von Prof. Jakob Gebert, die sich zusammen mit ihrem Büropartner Josef Herz um die Genehmigung und die bautechnische Realisierbarkeit der Objekte kümmert.
Eine Gruppe von Studierenden entwickelt spezifische Möbel und Einrichtungsobjekte für die Häuser. So entstehen raumspezifisch Ausbauelemente wie Türen, Treppen und Leitern, neue Möbel, Leuchten, Vorhänge und Geschirr.
Das Projekt wird außerdem von Prof. Till Velten (Kunsthochschule Kassel) begleitet, der sich mit Studierenden aus Kassel um den Betrieb der Häuser, das Sponsoring und ein kulturelles Rahmenprogramm kümmert. Geplant sind Stadtführungen, die den Besuchern einen anderen, nicht alltäglichen Blick auf die Stadt Kassel vermitteln sollen.
Thema und Idee des Projektes KasBaH ist die experimentelle Entwicklung von Raumvisionen an der Schnittstelle zwischen Möbel und Architektur. Die Entwerfer agieren dabei nicht klassisch als Architekten oder Möbeldesigner, sonder suchen nach Chancen in der Überlagerung beider Traditionen.
„Der Raum ist ein in sich unklarer Gedanke“ (Paul Valéry)
Wie entsteht Raum? Wie wirken unterschiedliche Raumproportionen auf den Nutzer? Welche minimalen Mittel erzeugen Raum? Wann bilden Möbel Räume? Welche architektonischen Funktionen können Möbel übernehmen? Dies sind nicht die einzigen Fragen, die sich die Studierenden bei der Entwicklung ihrer Häuser stellen.
Was dieses Projekt von den üblichen Studienprojekten unterscheidet, ist der Anspruch Realitäten zu schaffen. Neben den entwerferischen Fähigkeiten können die Studierenden unmittelbar Erfahrungen bei der Umsetzung ihrer Planungen sammeln. Dabei geht es nicht nur um die handwerkliche Realisierung, um den Umgang mit Material und dessen Verarbeitung, sondern auch um sämtliche Planungsprozesse auf dem Weg von der Idee zum fertigen Objekt.
Neben den klassischen Lehrinhalten wie Darstellungstechniken und Arbeitsmethoden lernen die Studierenden die Verflechtungen und Abläufe der Planung kennen, schulen ihr Organisationstalent, ihr Verhandlungsgeschick und ihre Kommunikationsfähigkeit mit allen an der Planung beteiligten Behörden, Institutionen und Fachplanern. Außerdem sind sie eingebunden in die Kostenplanung und Finanzierung ihrer Projekte.
Durch das große gemeinsame Ziel einen Entwurf nicht nur in Form einer Planung zu simulieren, sondern dieses auch im Maßstab 1:1 Umzusetzen und zu Realisieren, erfahren die Studierenden bereits jetzt, was sie in ihrem späteren Berufsalltag erwartet.
Interessant ist auch die internationale Zusammenarbeit der drei Hochschulen. Der rege Austausch und die enge Zusammenarbeit ermöglicht sowohl den beteiligten Studierenden, aber auch den Lehrenden einen tiefen Einblick in die Studieninhalte und -organisation der Partneruniversitäten.
Das Projekt endet jedoch nicht mit der Realisierung der Entwürfe! Die Studierenden wünschen sich kritische Gäste für ihre Häuser, Gäste, die sich auf das Experiment einlassen die neuen Räume zu erleben und zu begreifen, Besucher mit denen sie über ihre Ideen, Entwürfe und deren Wirkung diskutieren können. (Carmen Luippold)
Projektteilnehmer:
Sebastian Amelung, Arne Amtsfeld, Miriam Aust, Christof Binder, Sebastian Däschle, Timo Döding, Henning Fidelak, Greta Hauer, Tobias Juretzek, Hanna Krüger, Anna Kusmenko, Dietmar Metzler, Jens Otten, Christian Poppel, Julia Scheichen-ost, Christof Schmidt, Yannick Ph. Schwarz, Liane Sorg, Sonja Tönnies, Veit Wolfer
Dozenten:
Prof. Jakob Gebert (jakobgebert at uni-kassel dot de), Prof. Till Velten (info at till-velten dot de),
Carmen Luippold (luippold at carL-net dot de)
www.kasbah-haeuser.de
Wenn Sie wollen, empfehlen Sie diese Seite weiter -
vielleicht ist sie auch für Bekannte von Ihnen von Interesse