ÖKO-TEST Dachdämmstoffe – Guten Dach! 2007

Die meisten der von uns untersuchten Dämmmaterialien dämmen sehr gut, auch im Sommer. Doch in Bezug auf Schadstoffe lassen sich einige Produkte noch verbessern.

Wer glaubt, dämmen zu können, wie es ihm beliebt, der täuscht sich. Nicht nur im Neubau, sondern auch bei bestehenden Gebäuden sind die gesetzlichen Bestimmungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) zu beachten. Wenn das Dach neu gedeckt, gedämmt oder innenseitig eine neue Bekleidung aufgebracht wird, dann muss mindestens ein Wärmedurchgangskoeffizient (U-Wert) von 0,3 W/(m²K) erreicht werden. Die notwendige Dämmstärke hängt von der Art des Dämmstoffes ab, doch 16 Zentimeter Dämmung braucht man in der Regel mindestens.

Dabei gibt es fast immer Probleme mit einer zu geringen Sparrenhöhe. Lediglich in Ausnahmefällen erlaubt der Gesetzgeber bei einer Dämmung zwischen den Sparren, dass einfach nur die höchstmögliche Dämmschichtdicke eingebaut wird. Ansonsten müssen die Sparren entweder aufgedoppelt werden oder die Dämmung wird auf oder unter die Sparren gelegt. Am praktikabelsten ist meist die Mischform. Das bedeutet, dass oft das Dach neu gedeckt werden muss.

Auch reicht die vorhandene Konstruktion für die zusätzlichen Lasten statisch meist nicht mehr aus. Sie muss verstärkt oder gar erneuert werden. Angesichts der Einsparpotenziale lohnt sich die Investition aber – und sie macht unabhängig vom Preiskarussell der Energielieferanten. Alle Dämmstoffe haben eine positive Energiebilanz; die im Laufe ihrer Lebenszeit eingesparte Energie ist viel größer als der Aufwand für Herstellung und Transport. Es gibt viele Dämm-Materialien: mineralische Stoffe, künstliche Schäume und die große Gruppe der natürlichen Dämmstoffe. Um den nachwachsenden Rohstoffen eine Chance zu geben, wird eine Reihe von Dämmstoffen durch ein staatliches Markteinführungsprogramm mit 35 (Kategorie I) beziehungsweise 25 Euro pro Kubikmeter (Kategorie II) gefördert.

In einer Sache können wir bereits ohne Test Entwarnung geben: Die Mineralfaserstäube der heute angebotenen Produkte stehen nicht mehr im Verdacht, krebserregend zu sein. Sie sind besser biolöslich, das heißt die Fasern lösen sich bei Kontakt mit Körperflüssigkeit relativ schnell auf und verlieren so ihre gesundheitsschädigende Wirkung.

ÖKO-TEST wollte wissen, wie gut die Produkte dämmen und inwieweit mit den unterschiedlichen Dämmstoffen auch Schadstoffe ins Haus kommen. Wir schickten daher 24 Dämmstoffe, die allesamt für das geneigte Dach geeignet sind, in verschiedene Labore.

Das Testergebnis

  • ÖKO-TEST legte den Untersuchungen des Wärmeschutzes den Koeffizienten U = 0,2 W/(m²K) zugrunde. Dieser Dämmstandard ist heute ein durchschnittlicher Wert für einen Neubau, der aber über den Mindestanforderungen für eine nachträgliche Dachdämmung liegt. Um ihn zu erfüllen, sind je nach Testprodukt 13,5 bis 32 Zentimeter nötig. Unangefochtener Spitzenreiter ist hier das Puren dio 028 Steildachelement aus Polyurethan mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,028 W/(m²K). Dieser Wert drückt aus, wie gut ein Stoff dämmt. Je kleiner er ist, umso günstiger. Ausschlaggebend für den Nachweis des Wärmeschutzes sind die genormten oder zertifizierten Bemessungswerte. In diesen sind Materialschwankungen und –alterungen durch einen Sicherheitsfaktor eingerechnet.
  • In Bezug auf den sommerlichen Wärmeschutz ist es egal, welchen Dämmstoff Sie wählen. Die maximalen Temperaturunterschiede, die wir mit Hilfe von Simulationsrechnungen ermitteln ließen, lagen im ungünstigsten Fall bei etwa einem Grad Celsius. Wie sehr sich der Innenraum aufheizt, wird vielmehr von der nächtlichen Lüftung, der Lage und der Verschattung der Fenster beeinflusst als vom Dämmmaterial.
  • Viermal wurden Formaldehyd/-abspalter in den von uns getesteten Proben nachgewiesen. Ob die Substanz ausdünstet, kann die von uns angewandte Testmethode nicht bestimmen.
  • Einige Dämmstoffe enthalten umstrittene halogenorganische Verbindungen. In Schaumdämmstoffen werden bromierte beziehungsweise phosphororganische Flammschutzmittel eingesetzt. Eine vom Umweltbundesamt in Auftrag gegebene Studie empfiehlt, diese problematischen Stoffe zu ersetzen. Für brennbare Dämmstoffe ist jedoch eine Flammschutzausrüstung notwendig, um die baurechtliche Mindestanforderung „normal entflammbar“ zu erfüllen.
  • Viele alternative Dämmstoffe sind deshalb mit Borverbindungen ausgerüstet. Von Fachleuten wird die ökologische Gefährdung im Vergleich mit anderen Schutzstoffen als gering angesehen. Das Umweltbundesamt empfiehlt dennoch eine Minderung, weil die tägliche Aufnahme von Bor durch die Nahrung bereits im Bereich der Toleranzwerte liegt und weitere Belastungen deshalb unerwünscht sind.
  • Die Firma Alchimea meint, dass die borhaltigen Wollfasern ihres Dämmstoffs kompostierbar sind, und „in jedem Kompostierwerk verarbeitet werden“ dürfen. Laut Abfallexperten fällt dieses Material aber nicht unter kompostierbare „tierische Abfälle“, sondern unter „Dämmmaterial“, um das sich Kompostierwerke in den seltesten Fällen freuen dürften. Da Wolle extrem langsam verrotte, sei eine Kompostierung wenig sinnvoll.
  • Besonders erwähnenswert ist die Tatsache, dass es mit dem Homatherm holzFlex Mais nun erstmals eine Holzfaserdämmplatte mit Stützfasern gibt, die aus Mais hergestellt wird.

Unsere Empfehlungen

Sehr preisgünstig lässt sich das Dach mit Zelluloseflocken dämmen. Das Einblasen darf nur von einem zugelassenen Betrieb unter strengen Sicherheitsauflagen durchgeführt werden.
Nur ein Fachmann kann prüfen, welche Art der Dämmung im Einzelfall am günstigsten ist und die vorhandene Konstruktion statisch beurteilen. Das Dämmen sollten nur sehr versierte Handwerker in Eigenregie durchführen. Bei der Verarbeitung Handschuhe und Atemschutz tragen.
Um im Sommer eine Überhitzung des Dachraums zu verhindern, Dachflächenfenster an sonnigen Tagen ganztägig außen verschatten und Fenster geschlossen halten. Nachts gut lüften, falls möglich querlüften.

Quelle: ÖKO-Test Jahrbuch für 2007 (Bauen & Wohnen)

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